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Zeitreisen für Anfänger

Du hast eine Vorstellung oder Vorlage für ein Kleid, weißt aber nicht wo du Anfangen sollst?

In nur 5 Schritten kommst du zu deinem Traumkostüm.

1. Finde heraus aus welchem Jahrhundert dein Kleid oder das Bild von dem Kostüm ist. Die Reverse Bildersuche auf Google eignet sich hierfür wunderbar.

Eine grobe Einteilung wäre folgendermaßen:

  • Antike
  • Mittelalter
  • Renaissance
  • Barock
  • Rokoko
  • Regency/Empire
  • Biedermeier
  • Viktorianisch
  • Edwardianisch
  • ab 1910

Überlege dir welches Geschlecht und welchen Stand (Bauer, Arbeiter, Bürger, Adelige, etc.) dein Kostüm repräsentieren soll. Eine Magd im Rokoko wird zum Beispiel keine ausfallende Robe a la francaise tragen. Möchte man es ganz genau nehmen kann man auch auf regionale Unterschiede rücksicht nehmen.

2. Im nächsten Schritt sammelst du alle Informationen bezüglich Unterwäsche und Unterkleidung. Das ist ein sehr wichtiger Schritt, da ohne die richtige Unterkleidung das Kostüm nicht die richtige Form hat. Ein Viktorianisches Kleid ohne Korsett? Unvorstellbar!

Eine Damen Grundausstattung beinhaltet meistens ein Unterhemd, ein oder mehrere Unterröcke und eine Schnürbrust/einen Schnürleib oder ein Korsett. Je nach Zeitalter kommen noch Krinolinen, Poschen, Pannier, Farthingale, Pokissen oder Tournüren hinzu.

Schnürleib ca 1770 Korsett 1891 MET

Links ist ein Beispiel einer Schnürbrust aus ca. 1770-1790, rechts ist ein Korsett aus dem Jahr 1891.

Die  Herrenausstattung besteht aus einem Unterhemd und einer kurzen oder langen Unterhose. Im Mittelalter wurden diese Brais oder Brouch genannt. Um 1770 wurden Unterschenkelpolster verwendet. Korsetts für Männer gab es ab 1800 bis zur Mitte des Jahrhunderts, die vor allem von Dandys getragen wurden.

3. Hast du nun alle Informationen über die korrekte Unterwäsche, geht es nun endlich zu deinem Kostüm. Mache dir Gedanken über die Farbe und das Material, doch auch hier lauern ein paar Gefahren. Pané Samt mit 2€ pro Meter kann sehr verführerisch sein doch halte dich unbedingt fern von diesem und anderen „modernen“ Stoffen. Von der Antike bis 1910 solltest du nur Stoffe verwenden die aus Pflanzen- oder Tierfasern gewonnen werden wie Leinen, Seide, Hanf, Wolle, Samt, Atlas und Baumwolle. Aber auch hier gibt es wieder zeitliche beziehungsweise regionale Ausnahmen. Während des 18. Jahrhunderts wurden zum Beispiel die bedruckte Baumwolle aus Indien aus wirtschaftlichen Gründen in Frankreich, England und Preussen verboten.

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Frankreich oder England ca. 1760-1765
DP16319
Leinenstoff, ca. 1788, Frankreich

4. Hast du den perfekten Stoff gefunden geht es weiter zur Schnittherstellung und dem anschließendem Nähen. Hier gilt: Immer zuerst die Unterkleidung nähen und dann erst die Oberkleidung.

Tipp: Kaufe einen günstigen Stoff und mache dir einen Probeschnitt. Sollte da etwas nicht passen oder nicht richtig sitzen kannst du es verändern und auf deinen Schnitt übertragen.

Ob du beim Nähen alles mit der Hand nähst oder mit der Nähmaschine ist dir überlassen. Von der Antike bis zur Erfindung der Nähmaschine 1830 hatte man alles mit der Hand genäht. Ich empfehle immer die unsichtbaren Nähte (alle Nähte die innen und nicht sichtbar von außen sind) mit der Maschine zu nähen und alle sichtbaren mit der Hand zu nähen, das spart Zeit.

Folgende Stiche waren bekannt und wurden verwendet:

Rückstich, Heftstich, Kappnaht, Knopflochstich, Hexenstich, Französische Naht

Achte bei deiner Schnittherstellung auf den korrekten Verschluss. Reißverschlüsse wurden zwar schon 1851 erfunden doch wurden sie erst ab 1917 eingesetzt. Davor verwendete man Häkchen, Knöpfe, Ösen und Schnürungen. Vorsicht bei Metallösen! Diese wurden erst im Jahr 1828 erfunden, davor verwendete man Ösen aus Draht die man umnähte.

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Männer Kleidung, Frankreich, ca. 1765
http://www.metmuseum.org/art/collection/search/87014
Frankreich ca. 1750

5. Dein Kostüm oder Kleid ist nun fertig genäht und kann jetzt verziert werden. Achte darauf deinem Stand entsprechend zu dekorieren! Im Mittelalter hatten sie zum Beispiel eine strenge Kleiderverordnung.

Das Gewand wurde dem Zeitalter entsprechend mit Stickereien, Spitze, Blumen, Rüschen, Pelzen, Perlen und/oder Bändern verziert.

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1760–80, England

Vergiss nicht, dass zu einem perfekten Ensemble noch Schuhe, Handschuhe, Strümpfe und Hüte beziehungsweise Kopfbedeckungen zählen. Auch diese sollten der Zeit und dem Stand entsprechend angefertigt und verziert werden.

DP151927
1620–29, England
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1750–70, England

Doch mehr darüber im nächsten Kapitel.

 

 

 

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