Die Haube

A Laundry Maid Ironing c.1765-82 by Henry Robert Morland 1716-1797

ca. 1765-82 gemalt von Henry Robert Morland

Im gesamten 18 Jahrhundert, wie auch in den Jahrhunderten davor und danach, trugen Frauen Hauben. Es war aber kein Zeichen dafür, dass sie verheiratet waren, im Gegensatz zum Mittelalter. Die Hauben schützten ihre Haare vor Ruß, Rauch und Schmutz. Diese wurden deswegen nicht nur im Haus sondern auch außerhalb getragen. Hauben wurden sogar unter Hüten getragen.

Es gab eine so große Vielfalt an Hauben (vor allem in den 1750er und 1760er) die je nach Stand, Zeit und Region getragen wurden, dass man keine Standard Haube definieren kann. Man kann jedoch davon ausgehen dass Frauen die prüder/konservativer waren, größere Hauben trugen und die mehr Haare abdeckten als jene Personen die liberaler oder höher gestellt waren.

Leinen und geklöppelte Spitze wurde sehr oft verwendet, sodass beide als standard Material gelten. Baumwolle wurde zwar auch verwendet jedoch nicht in so großem Stil.  Die Farbe des Materials ist fast immer weiß, jedoch gibt es da auch (regionale) Ausnahmen.

Am Anfang des Jahrhunderts waren die Hauben der Adeligen oder der oberen Schicht mit Spitze und/oder Rüschen verziert. Zwei lange Bänder, die man Barbe oder Lappet nannte und meistens aus geklöppelter Spitze waren, hingen an den Seiten hinunter oder wurden an die Hauben gepinnt.

Die Fontage war zuerst am Französischen Hof und dann an allen anderen europäischen Höfen von 1685 bis ca. 1715-1720 modern. Nach 1715/20 verschwindet sie jedoch aus der Mode.

In den 1720er Jahren wurden die Hauben kleiner und feiner.

Die Coif und die Runde-Ohren Haube waren in den 1730er Jahren modern.

In den 1740er Jahren wurden Hauben mit Spitze und Barben zunehmend eine Mittelklasse Mode. Die Barben aus Spitze wurden jedoch auch bis zum Ende des Jahrhunderts am Hof getragen.

1750s waren die kleinen verdrahteten Hauben aus Frankreich, vor allem bei formalen Veranstaltungen, sehr modern. Diese bestanden nur aus geklöppelter, weicher Spitze.

Am Ende der 1760er Jahren waren Seidenschals die man in die Haare rollte und so einen Turban-ähnlichen Effekt erzielte sehr modern. Sie demonstrierten die neue Mode für Türkische Stile.

Haubenarten

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Pehr Hilleström

Die Dormeuse oder french nightcap hat eine enganliegend oder aufgeblähte Krone. Zwei Rüschenbahnen gehen von der Mitte des Scheitels an der Haube bis zu den Ohren. Oft wurden diese Haube zusätzlich mit einer Schleife verziert.

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Marianne Loir.

Wired cap (Draht Haube) wurden häufig vom Adel und einer eher reicheren Schicht getragen. Sie bestand aus Spitze und hatten an den Seiten einen Draht eingezogen, sodass sie vom Kopf wegstehen konnten.

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Bernard Lens, 1725, Victoria & Albert Museum

Die Pinnier oder Pinner Haube war eine runde oder halbrunde Haube die mit ein oder zwei Lagen Rüschen aus Leinen oder Spitze umrandet war. Sie lag flach am Kopf und hatte oft auch zwei Barben, die unter dem Kinn gebunden, auf die Haube gepinnt oder, wie auf dem Bild, einfach freihängend gelassen wurden.

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J. Parker, 1783

Die Mob Hauben hatten hinten eine hohe, aufgeblähte Krone und einen weiten und flachen Rand mit Rüschen, welche das Gesicht umspielten.

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Das Wiener Schokoladenmädchen von Jean-Étienne Liotard

Das berühmte Bild des Schokoladenmädchens ist ein gutes Beispiel für eine Runde-Ohren Haube.

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Jean-Baptiste Greuze

Oberhauben wurden, wie der Name schon sagt, über der Haube getragen. Dies galt nicht nur für die arbeitende Schicht, sondern auch für die oberen Stände.

Schnitt

Bevor eine Haube gefertigt werden kann, sollte man sich folgende Punkte vor Augen halten:

  • Welches Jahr möchte man darstellen?
  • Wie wurden die Haube und das Haar getragen?
  • Von welchem Stand wurden sie getragen?

Die Hauben bestehen aus zwei bis drei Teilen; der Krone, dem Rand und der Barben. Der Rand ist optional, wird jedoch meistens auch verwendet.

Hier sind ein paar Beispiele wie der Schnitt einer Krone aussehen kann:

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Der Rand besteht meistens aus einem Band welches bis zu oder über die Ohren geht. Eine Ausnahme bildet Abbildung 5 auf dem unterem Bild, das Band besteht aus zwei Teilen.

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Lappen sind viel länger als die Ränder und konnten sogar bis unter die Brust reichen. Die zwei breiten Lappen auf der rechten Seite konnten zusätzlich noch einmal eingeklappt werden.

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Pinnier/Pinner Haube

Für die Krone nimmt man einen Halbkreis oder einen Halbkreis mit geraden Seiten. Dazu kommen entweder Barben aus Spitzen, oder Rüschen die bis zum Ohr gehen. Diese können an den Enden gerade aber auch leicht abgerundet sein.

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Herstellung

Krone: Länge und Breit muss selbst bestimmt werden

Rüschen: Länge des Halbkreises der Krone x2, ca. 4-6cm breit

Es wird nur ein Stück von der Krone und der Rüsche benötigt. Barben bestehen aus Spitze und waren aus einem Stück. Wenn man sich mit dem Schnitt nicht sicher ist, dann sollte man ein Probeteil machen!

Im ersten Schritt wird der untere Teil der Krone (der gerade Teil) gerafft. Hier gibt es zwei Methoden:

  1. Die Nahtzugabe wird doppelt nach innen gefaltet und genäht, sodass ein Tunnel entsteht, durch dass man ein Band auf beiden Seiten schieben kann. Ein Band wird jeweils an einer Seite festgemacht und überkreuzt durchgezogen. Dies kräuselt die Kappe und man kann zusätzlich das Band unter dem Kinn oder hinter dem Kopf festmachen.
  2. In dieser Methode werden am unteren Rand kleine, von Hand eingefasste Löcher genäht. Dieses wird, je nach Position, entweder nach außen oder innen eingeklappt, sodass ein Tunnel entsteht. Ein Band wird jeweils an beiden Enden befestigt und durch den Tunnel durch das Knopfloch gezogen. Mit dieser Methode kann man den unteren Rand kräuseln und hat gleichzeitig noch eine zusätzliche Schleife außen oder innen.

Im zweiten Schritt werden die Rüschen oder Barben angebracht, der restliche Teil der Kappe wird nicht mehr gerafft. Die Nahtzugabe wird eingeklappt und gesteckt. Die  Rüschen oder Barben werden leicht gerafft und anschließend aufgesteckt. Nun kann man mit einem Saumstich durch alle Lagen gehen und alles zusammen nähen.

Hier ist eine grobe Skizze wie die Pinner Haube am Ende aussehen kann. Die Haube besteht aus einer halbrunden Krone mit geraden Seiten. Sie hat zwei Löcher in der Mitte durch die ein Band gefädelt wurde und dann zu einer Masche geknotet wurde. Anstatt Rüschen hat die Haube lange Barben die an den Seiten runterhängen.

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Dormeuse Haube

Für diese Haube benötigt man eine Krone, einen Rand und eine oder zwei x zwei oder vier x zwei Rüschenbahnen.

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Herstellung

Krone: Länge und breite muss selber bestimmt werden. Je länger man die Krone macht desto puffiger wird sie am Ende.

Rand: Miss den Halbkreis der Krone. Die Länge wird auch die Länge des Randes sein. Dieser kann aber auch ein bisschen kürzer oder länger als der Halbkreis sein. Solltest du deine Krone noch ein bisschen raffen wollen, muss der Rand selbstverständlich daran angepasst werden.

Rüschen: Für die Rüschen werden zwei halbe Ovale ausgeschnitten, möchte man zwei Schichten an Rüschen haben schneiden man zwei x zwei verschieden große Ovale aus. Die Länge richtet sich hier wieder nach dem Halbkreis der Krone. Die gerade Seite der Ovale sollte ca. 2-3x so lang sein wie die Krone. Je länger man diese Seite macht desto enger und fluffiger werden die Rüschen. Wenn man die Rüschen nicht kräuseln will sondern in Falten legen möchte muss die Länge zuerst berechnen werden.

Wenn man sich mit dem Schnitt nicht sicher ist, dann sollte man ein Probeteil machen!

Im ersten Schritt wird der untere, gerade Teil der Krone gerafft. Hier gibt es zwei Methoden:

  1. Die Nahtzugabe wird doppelt nach innen gefaltet und genäht, sodass ein Tunnel entsteht, durch dass man ein Band auf beiden Seiten schieben kann. Ein Band wird jeweils an einer Seite festgemacht und überkreuzt durchgezogen. Dies kräuselt die Kappe und man kann zusätzlich das Band unter dem Kinn oder hinter dem Kopf festmachen.
  2. In dieser Methode werden am unteren Rand kleine, von Hand eingefasste Löcher genäht. Dieses wird, je nach Position, entweder nach außen oder innen eingeklappt, sodass ein Tunnel entsteht. Ein Band wird jeweils an beiden Enden befestigt und durch den Tunnel durch das Knopfloch gezogen. Mit dieser Methode kann man den unteren Rand kräuseln und hat gleichzeitig noch eine zusätzliche Schleife außen oder innen.

Möchte man die Krone noch leicht raffen, sollte dies jetzt passieren. Hier näht man in der Nahtzugabe in großen und gleichmäßigen Stichen entlang des Rands. Hier kann man nun über die gesamte Krone gehen oder nur an der oberen Wölbung. Bevor man zu Ende genäht hat und einen Knoten macht kann man an dem Faden ziehen und die Krone wird gekräuselt. Wenn man die gewünschte Länge erreicht hat, kann man den Faden nun vernähen.

In dem Schritt arbeitet man mit den zwei oder vier Rüschenbahnen. Der gerade Teil des Ovals wird später an die Krone genäht, deswegen muss der runde Teil gesäumt werden. Der Saum wird doppelt eingeschlagen und mit einem kleinem Saumstich genäht. Im nächsten Schritt kann man nun entweder alle Rüschen kräuseln oder man legt die kürzeren auf die längeren Rüschen und kräuselt sie als ein Teil. Dazu wird wieder in der Nahtzugabe in großen und gleichmäßigen Stichen entlang des Rands genäht. Möchte man die Rüschen lieber falten, müssen diese eingezeichnet und dann gefalten werden. Am Ende wird der gerüschte gerade Teil rechts auf rechts an den Rand angenäht.

Im nächsten Schritt wird der Rand and die Krone angebracht. Stecke nun beide Teile rechts auf rechts aufeinander und nähe sie fest. Die Saumenden wurden nicht vernäht, wenn dies jedoch als störend empfunden wird oder der Stoff ausfranst, dann kann eine Kappnaht gemacht werden.

Die fertige Hauben können so aussehen:

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Hier hat man einen geraden Rand, eine Rüschenbahn die jedoch geteilt ist. Das untere Band ist auf beiden Seiten zu sehen und kann um den Kopf festgebunden oder gesteckt werden.

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Diese Haube hat eine doppelte Rüschenreihe und das untere Band auf der Krone wird in der Mitte zu einer Masche gebunden.

Sonstiges

Manche Hauben wurden mit Haarnadeln in die Haare gepinnt. Andere verwendeten Bänder um die Haube auf den Kopf zu binden. In dem folgendem Bild kann man gut sehen wie das Band nicht direkt zur Haube gehört sondern die Haube am Kopf hält.

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Französische Schule

 

Weiterführende Links:

Marquise hat wie immer ein tolles Tutorial mit vielen Hintergrundinformationen!

Couture Maja hat ein paar wunderschöne Hauben genäht. EN

Sue Felshin hat ein sehr ausführliches Tutorial geschrieben. EN

Klara Parolkova hat ein Tutorial für französische Hauben EN

 

 

 

 

 

 

 

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