Edwardianisch

Das Edwardianische Zeitalter erhielt ihren Namen vom neuen König Edward der nach dem Tod seiner Mutter Viktoria 1901 den englischen Thron bestieg. Zeitgleich herrsche in Deutschland seit 1888 Kaiser Wilhelm II und in Österreich Franz Joseph I. Die Zeit endet ungefähr mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914.

Frauen
In dem Zeitalter vollzog sich ein Wandel in der Form der Kleidung. Die Sanduhrfigur wurde wieder modern mit einer vollen aber niedrigen Brust und kurvigen Hüften.

1902 June Les Grande modes de Paris

Modeschnitt aus 1902

Die Unterröcke wurden verringert bis nur noch ein einziger, meist aus Seide, blieb. Dieser wurde ab dem Knie mit Volants und Rüschen ausgestattet.
Ein neues Korsett wurde 1900 entwickelt. Es machte vorne eine gerade Figur und drückte das Becken nach hinten, sodass der Körper von der Seite her gesehen, die berühmte S-Kurve erhielt.

Der Rock begann sich ab 1892 zu verlängern und auch Straßenkleider, nicht nur Abendkleider, erhielten eine Schleppe. Der Rock war um die Taille und die Hüften eng angesetzt, musst jedoch unten lang und breit enden, dies erreichte man mit geschickter Faltenlegung. 1898 wurde der Glockenschnitt entwickelt der sich wie ein Lauffeuer verbreitete und typischerweise mit 5 oder 7 Bahnen genäht wurde. 1904 erreichten die Röcke ihre weiteste Form, der Rock wurde nun mit 9 oder 11 Bahnen genäht, konnte jedoch auch bis zu 24 Bahnen bekommen. Der Rock wurde erst 1906 wieder schlanker und mit geraden Bahnen gefertigt. 1909 waren die Röcke so eng, dass sie fast an den modernen Bleistiftrock erinnerten. Nur die versteckte Falten ermöglichte es den Frauen sich in den Röcken zu bewegen. Dies hielt jedoch nicht lang an und die Röcke wurden wieder etwas weiter bis sie 1915 als A-line geschnitten wurde.
Am Ende des Jahrzehnts waren die Röcke wieder etwas kürzer und reichten nur noch bis zum Knöchel.
Die Röcke waren meist glatt und gerade, ab und an war eine Rüschenbahn zu sehen. Die Stoffe waren leicht und fließend aus Wolle, Musselin oder Leinen und außerdem auch noch ungefüttert.
Die Illusion eines breiten Hinterteils erreichte man mit Hüftpolstern.

1907 La Solan de la Mode

Modeschnitt aus 1907

Die Bluse saß an der Brust locker und wurde nicht mehr auf die Figur geschnitten. Durch ihre Form wurde sie auch Taubenbrust genannt. Man erreichte dies durch Polster, die man ins Korsett steckte oder durch ein Unterhemd mit zahlreiche Rüschen über dem Korsett. Der Ausschnitt war hoch und oftmals mit abnehmbaren Kragen verziert.
Die verwendeten Stoffe waren aus sehr leichten Gewebe, deren Haltbarkeit aber gering war.
Die Ärmel sahen ab den 1890er Jahren wieder aus als wären sie direkt aus den 1830er Jahren importiert worden. Lange hielt sich dies jedoch nicht und ab 1899 wurden die Ärmel wieder eng. Anfang der 1900 waren die Ärmel nur noch an dem Handgelenk weit, 1904 wanderte diese Weite vom Handgelenk zum Ellbogen. Ab 1906 waren die Schultern wieder weit geschnitten.

Jacken besaßen vorne einen breiten Revers und wurden bevorzugt mit einem Jabot getragen.

Hüte wuchsen, bis sie 1907 eine unvorstellbare Größe eingenommen hatte. Sie waren mit allerlei Bändern, Federn, Blumen, Vögel und vielem mehr geschmückt.

Schuhe waren eng, vorne spitz zulaufend und hatten einen mittelhohen Absatz.

1910 De Gracieuse

Modeschnitt 1910

Eine Neuerung trat ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Kraft, die den Damen fest vorschrieb, welche Kleidung sie zu welchen Anlässen tragen mussten, davor kannte man nur die festliche Kleidung und die einfache Kleidung. Doch plötzlich gab es Sport-, Ball- und Teekleider, Vormittags hatte man dunkle Farben zu tragen und am Nachmittag helle.

Männer
In der Männermode veränderte sich in den wenigen Jahren kaum etwas. Dunkle Farben wie Grau, Braun, Dunkelgrün, Dunkelblau und ihre Mischtöne wurden meistens verwendet.

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Zu den Anzügen, die seit Mitte des vorigen Jahrhunderts getragen wurden kam der Cutaway bzw. Cut sowie um 1890 der Smoking hinzu.
Es gab genau fünf Typen an Anzügen, die getragen wurden: Frack, Smocking, Gehrock, Rockjackett und Sackjackett.  Zwei dieser Typen, nämlich Frack und Smoking besaßen auch eine vorgeschriebene Art der Unterwäsche und Krawatte.
Gilet und Krawatte waren die einzigen zwei Ausnahmen um etwas Individualität in seinen Look zu bringen.
Der Cut ersetzte den Gehrock bei allen weniger feierlichen Anlässen und wurde auch als Arbeitskleidung verwendet.
Der Smoking war eine neue Erfindung in der Herrenmode. Ursprünglich wurde dieser auch nur im Rauchsalon getragen, aber bald wurden aus ihm ein Anzug für kleinere Festlichkeiten.
Beide neuen Anzugsformen kamen aus England und der englische Stil war allein tonangebend.

Das Haar wurde meist kurz getragen, die Bärte nicht mehr so spitz wie zuvor und der Schnurrbart war gezwirbelt.
Zylinder wurden immer noch von der oberen Schicht getragen. Der Homburg und die Melone wurden mit dem Sackjackett getragen während die flachen Strohhüte nur bei legeren Veranstaltungen getragen wurden

 

Schnittmuster

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